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Sie fiel wie ein Stein ins Bett und wurde von dem fröhlichen Lärm, der durch den Dielenboden drang, sanft in den Schlaf gewiegt.

Sie schlief schon tief und  fest, als er sich an sie kuschelte. Sie grunzte.

"Mach dir keine Sorgen, ich bin viel zu besoffen, ich tu dir nix", mumelte er.

 

Da sie ihm den Rücken zukehrte, schob er seine Nase in ihren Nacken und legte einen Arm um sie, um sich so eng wie möglich an sie zu schmiegen. Ihre kurzen Haare kitzelten ihn in der Nase.

"Camille?"

Schlief sie? Tat sie nur so? Keine Antwort jedenfalls.

"Ich bin gern mit dir zusammen."

Leises Lächeln.

Träumte sie? Schlief sie? Wer weiß?

 

-----

 

Nachdenklich stand Franck auf.

"Sie würde es doch sagen, wenn es ihr zuviel wäre, oder?"

"Meinst du?"

Er sah durch seine Brillengläser, die er gerade putzte.

"Ich weiß es nicht. Sie ist so voller Geheimnisse. Ihre Vergangenheit. Ihre Familie. Ihre Freunde. Wir wissen nichts über diese junge Frau. Ich für meinenTeil verfüge neben ihren Heften über keinerlei Anhaltspunkt, der mir gestattete, auch nur die geringste Hypothese zu ihrer Bigraphie anzustellen. Keine Post, keine Telefonanrufe, niemals Gäste. Stell dir vor, wir würden sie eines Tages verlieren, wir wüßten nicht einmal, an wen wir uns zu wenden hätten."

"Sag nicht so was."

 

---

 

Er war so trübselig gewesen in diesem Zimmer. So trübselig.

Hätte man ihm gesagt, dass er eines tages eine Prinzessin mitbrächte und sich hier hinlegte, neben sie, in dieses kleine Messingbett, wo früher einmal ein Lochj war, in dem er als Kind verschand, und wo er sich später rieb und von anderen Geschöpfen träumte, die weit weniger hübsch waren als sie. Er hätte es nie geglaubt. Er, der Pickelige mit den großen Füße und der Bronzenpfanne über dem Kopf. Nein, das war nciht vorauszusehen gewesen.

 

Ja, das Leben war eine seltsame Köchin, Jahrelang im Kühlraum und dann hop! von einem Tag auf den anderen auf den Brotrost mit dir!

"Woran denkst du" fragte Camille.

"Nichts. Nur dummes Zeug. Alles in Ordnung mit dir?"

"Ich kann nicht glauben, dass du hier aufgewachsen bist."

"Warum nicht?"

"Pff. Das ist hier dermaßen hinterm Mond. Das ist nicht mal in Dorf. Das ist.. das sind.. Nur kleine Häuser mit alten Leuten am Fenster. Und diese Hütte hier, in der sich seit den fünfziger Jahren nichts mehr getan hat. Ich habe noch nie so einen Herd gesehen. Und der Ofen, der den ganzen Platz einnimmt! Und die Klos im Garten! Wie kann sich ein Kind hier entfalten? Wie hast du das geschafft? Wie hast du es geschafft, hier rauszukommen?"

"Ich habe dich gesucht."

"Hör auf. Das gilt nciht, haben wir gesagt."

"Hast du gesagt."

"Komm schon."

"Du weißt genau, wie ich es geschafft habe, du hast doch das gleiche erlebt. Nur, dass ich die Natur hatte. Dieses Glück hatte ich. Ich war die ganze Zeit draußen. Und Philou kann sagen, was er will, es war eine Nachtigall. Das weiß ich, das hat mir mein Opa gesagt, und mein Opa wusste, wovon er spricht. Der brauchte keine Lockvögel."

"Wie hälst du es dann aus, in Paris zu leben?

"Ich lebe nicht."

"Gibt's hier keine Arbeit?"

"Nein. Nichts Spannendes. Aber wenn ich irgendwann mal Bälger haben sollte, dann laß ich sie nicht zwischen lauter Autos aufwachsen, das schwöre ich dir. Ein Kind, das keine Stiefel, keine Angel und keine Schleuder hat, ist nicht echt. Warum lachst du?"

"Nichts. ich finde dich süß."

"Mir wäre lieber, d würdest mich was anderes finden."

"Du bist aber auch nie zufrieden."

"Wie viele willst du?

"Pardon"?

"Gören?"

"He", schimpfte sie. "Machst du das extra, oder was?"

"Moment, ich meine doch nicht zwangsläufig mit mir!"

"Ich will keine."

"Echt nicht?" meine er enttäuscht.

"Nein."

"Warum nichts?"

"Darum."

Er packte sie im Nackem und zog sie an sein Ohr.

"Sag's mir."

"Nein."

"Doch. Sag's mir. Ich erzähl's nicht weiter."

"Weil ich nicht will, dass das Kind allein ist, wenn ich einmal sterbe."

"Du hast recht. Deshalb muss man ganz viele machen. Und außerdem, weißt du..."

Er drückte sie ncoh fester.

"Du wirst nicht sterben. Du bist ein Engel, und Engel sterben nicht."

Sie weinte.

"He, was ist los?"

"ach, nichts. Ich kriege nur meien Tage. Es ist jedesmal dasselbe. Das zieht mich total runter, und ich fange bei der geringsten Kleinigkeit an zu heulen."

 

Sie lächelte durch den Rotz:

"Da siehst du, ich bin kein Engel."

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